Inkassoverfahren von Paigo – Betrugsversuch

Palim Palim,
in diesem Beitrag geht es nicht um Geldanlage oder Sparmöglichkeiten. Ich bin Opfer eines Betrugsversuches / Identitätsdiebstahls geworden, der mir durch ein Inkassoschreiben des Dienstleisters Paigo aufgefallen ist. Jetzt kann ich euch teilhaben lassen, wie ich das Thema aus der Welt schaffen konnte.

Ausgangssituation / Inkasso von Paigo

Am 10. Juni habe ich ein Schreiben von einer Firma namens Paigo erhalten, das mit Persönlich / Vertraulich korrekt an mich adressiert war. Im Betreff stand nur Inkassoverfahren. Danach wird dargelegt, dass es angeblich eine Forderung von PayPal Pte. Ltd. gegen mich über 614,95€ gibt.

Das betreffende paypal Konto wird hierbei ebenfalls aufgeführt und was soll ich sagen: Meins ist es nicht, aber mit viel Fantasie könnte es meins sein. Zumindest kommen in der falschen Outlook Emailadresse mein Vorname und Teile meines Nachnamens vor.

Die Forderung soll am 22.04.entstanden sein, durch „Vertragsabschluss im Internet“. Also hat jemand mit diesem falschen Paypalkonto anscheinend tatsächlich Ware in einem Onlineshop gekauft.

Zu der Hauptforderung, die Paigo gegen mich beitreiben möchte, kommen noch 54,05€ Mahnkosten und 0,56€ Zinsen.

Insgesamt werde ich mit einer GESAMTFORDERUNG von 669,56€ konfrontiert. Für die Zahlung wird mir eine Frist bis zum 16.06. gesetzt. Also sportliche 6 Tage.

Ich denke an dieser Stelle muss nicht extra erwähnt werden, dass ich keine Ware für 614,95€ über das aufgeführte paypal Konto gekauft habe und erstmal ziemlich sauer war, wie man mir nur solche Briefe schicken kann.

Was ist Paigo?

Ich habe als erstes recherchiert, was Paigo überhaupt ist. Ist die Firma selbst nur eine Fake-Adresse für Betrüger oder handelt es sich um einen echten Dienstleister? Schließlich könnte es gefährlich sein in der Antwort auf das Schreiben weitere Daten zu kommunizieren, wenn diese dann wieder bei Betrügern landen.

Paigo ist aber ein eingetragenes Inkassounternehmen und Mitglied im Verband der deutschen Inkassounternehmen. Mit 100-200 Mitarbeitern scheinen dort auch recht viele Menschen zu arbeiten.

Über Arvato gehört Paigo zum Bertelsmannkonzern und scheint nach meiner Google Recherche nicht nur paypal als Kunden zu haben, sondern auch Forderungen von Amazon, Vodafone und der Deutschen Bahn einzutreiben.

Also bin ich davon ausgegangen, dass ich es hier nicht mit einem unseriösen Dienstleister zu tun habe. Sondern mit einem Unternehmen, das für die großen Konzerne die „Härtefälle“ übernimmt.

Schritt 1: Reaktion auf das Inkassoschreiben von Paigo

Glücklicherweise war meine Wut durch die Recherche dann ein wenig verraucht und ich habe beschlossen an die aufgeführte Emailadresse von Paigo eine Stellungnahme zu schicken:

…heute habe ich einen Brief von Ihrem Unternehmen mit einer Inkassoforderung über 669,56€ erhalten.

Diese Forderung bestreite ich hiermit!

Es gibt keine zugrunde liegende Bestellung oder Lieferung / Leistung meinerseits. Es gibt kein Paypalkonto …@outlook.de.

Scheinbar sind mein Name und meine Adresse für betrügerische Aktivitäten genutzt worden.

Ich bitte im Rahmen der Rechtsverfolgung dringend darum mir kurzfristig offenzulegen, wer der Auftraggeber ist, um welche Ware es sich gehandelt haben soll und wohin diese Ware geliefert wurde.

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang auch die IP Adresse, von der aus das Konto eröffnet wurde. Diese und die Versandadresse der Leistung wird mich zu 100% entlasten.

Außerdem bitte ich um Offenlegung, mit welchen Informationen zu meiner Person ein Paypalkonto eröffnet wurde, dass man mit über 600€ überziehen kann. Ich gehe davon aus, dass nur Name und Anschrift für ein solches Konto nicht genügen und möchte gern herausfinden, welche Lebensbereiche eventuell noch betroffen sind.

Ich werde diesen Vorgang dann mit den von Ihnen bereitgestellten Daten zur Anzeige bringen.

Unterrichten Sie Ihren Auftraggeber bitte darüber und weisen Sie daraufhin, dass das Paypalkonto …@outlook.de sofort zu sperren ist

Meine Email an Paigo

Leider wurde meine E-Mail bis zum Verstreichen der Zahlungsfrist am 16.06. nicht beantwortet. Also habe ich bei Paigo angerufen.

Es mag daran gelegen haben, dass meine Wut nach einer Woche mit dem Schreiben auf dem Tisch schon ziemlich abgeklungen war oder daran, dass der Mitarbeiter dort extrem gut geschult war. Auf jeden Fall war das Gespräch mit dem Paigo Mitarbeiter sehr angenehm und lösungsorientiert.

Nachdem ich ihm erläutert hatte, dass ich glaube Opfer eines Betruges geworden zu sein hat er mir Tipps gegeben, wie ich das Thema aus der Welt schaffen kann.

Tipp 1: Kontakt zum Auftraggeber des Inkassos aufnehmen (bei mir paypal)
Tipp 2: Strafanzeige bei der Polizei erstatten

Von der Definition her bin ich übrigens wohl nicht Opfer eines Betruges geworden, sondern eines Identitätsdiebstahls.

Leider habe ich die von mir geforderten Daten zum Vorgang nicht bekommen, da Paigo diese als Dienstleister garnicht vorliegen hat.

Schritt 2: Telefonat mit paypal zum Betrugsfall / Identitätsdiebstahl

Bei paypal bin ich nach der positiven Erfahrung mit Paigo dann direkt auf das Telefon umgestiegen und habe dort angerufen. Unter der Hotline 0800 7234500 bin ich nicht durchgekommen und habe mir die 069 945189832 rausgesucht.

Leider kann ich euch nicht mehr genau schildern, welche Auswahl ich getroffen habe. Auf jeden Fall ging es ohne Kundenservice PIN oder Telefonnummer und bei der Themenauswahl bin ich dann in das Menü verdächtige Emails / Sicherheitsbedenken gekommen.

Auch dort bin ich glücklicherweise ebenfalls auf einen sehr fähigen und freundlichen Mitarbeiter gestoßen, der das Thema mit mir zusammen angegangen ist. Er hat die Kontensperre vorgenommen und dafür gesorgt, dass die Sperrung der falschen Identität keine Auswirkungen auf mein richtiges paypal-Konto hat.

Vermutlich hat es auch geholfen, dass es von mir ein echtes paypal-Konto gab und der Mitarbeiter dort nachvollziehen konnte, dass dieses bisher immer ordentlich gedeckt war.

Damit wurden die Inkassoaktivitäten erstmal gestoppt. Mir wurde zudem zugesagt, dass das Verfahren eingestellt würde, wenn die Strafanzeige vorliegt.

Leider durfte mir der Mitarbeiter keine zusätzlichen Informationen zu der betrügerischen Transaktion geben. Er konnte nur sehen, dass die Ware bei Mediamarkt gekauft wurde. Das eventuell hinterlegte Bankkonto oder die Adresse, an die die Ware versendet wurde durfte er mir jedoch nicht mitteilen, weil dies erfahrungsgemäß oft ebenfalls gestohlene Daten anderer Menschen sind.

Er teilte mir mit, dass diese Daten von der Polizei im Rahmen der Ermittlungen dann über eine Schnittstelle bei paypal abgerufen werden.

Schritt 3: Anzeige bei der Polizei

Bei der Polizei habe ich dann nach einem einfachen Weg gesucht die Sachlage zu schildern. In NRW ist das ohne weiteres möglich. Es gibt ein Onlineportal für sowas. https://service.polizei.nrw.de/anzeige Dort kann man seine Anzeige online erstellen und alle nötigen Hinweise zum Sachverhalt geben. Da mir mittlerweile die relevanten Daten für die Anzeige bekannt waren, habe ich dort die Formulare ausgefüllt und eine Bestätigung über meine Anzeige per Email bekommen.

Bis heute wurde ich leider nicht von der Polizei hierzu kontaktiert. Es hätte mich gefreut zu erfahren, ob derjenige der sich meinen Namen für irgendwelche Betrügereien ausgeliehen hat, identifiziert werden konnte und bestenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Das Strafmaß fängt wohl bei Geldbußen an und geht bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Leider ist von letzterem wohl nicht auszugehen. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Ende der Geschichte:

Die Anzeige bei der Polizei scheint zumindest bewirkt zu haben, dass paypal und Paigo nun die Verfolgung der Forderung bei mir aufgegeben haben und den echten Schuldner / Betrüger / Identitätsdieb gemeinsam mit der Polizei suchen.

Ich bekam am 22.06. eine Email in der steht:

Einstellungsmitteilung

Guten Tag …,

mittlerweile liegen uns neue Informationen vor. Aus diesen geht hervor, dass kein Anspruch gegen Sie besteht. Deshalb haben wir die gegen Sie gerichtete Angelegenheit eingestellt.

Wir entschuldigen uns vielmals für die Unannehmlichkeiten, die Ihnen entstanden sind.

Mail von Paigo

Vielleicht wird also doch bald jemand seine Zelle beziehen 🙂

Disclaimer

Dieser Post \"Inkassoverfahren von Paigo - Betrugsversuch\" spiegelt meine Meinungen und Erfahrungen zu den dargestellten Themen wieder. Er beinhaltet keine Anlage- oder Investmentempfehlung.

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3 Gedanken zu „Inkassoverfahren von Paigo – Betrugsversuch“

  1. Danke für deinen Einblick – immerhin mit gutem Ausgang – allerdings nervt es natürlich ungemein so viel Zeit und Energie auf so etwas verwenden zu müssen! Hatte das vor vielen Jahren auch mal bei Ebay in dem meine Identität ein Verkäufer angenommen hat – ging ohne Polizei über ebay immerhin.

    1. Hi Thomas,
      da hast du völlig Recht. Das geht einem richtig auf die Nerven. Ich vermute ich hatte wirklich Glück, dass meine Ansprechpartner auf beiden Seiten so kooperativ waren.

  2. Spannend, hatte auch schon etwas in der Richtung. Habe dann Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt, hatte dafür viele Infos zum Täter ermittelt. Auch die Geldinstitute bezüglich der Verwendung und Speicherung meiner Daten habe ich angeschrieben, diese hatten mich auch nach dem Wissen eines Betruges nicht nach DSGVO informiert…

    Check mal deine Schufa, durch meine jährliche Prüfung ist mir die Sache dort aufgefallen.

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