Mein Depotwechsel – flatex zu Smartbroker

Palim Palim,
im Monatsbericht März habe ich es angekündigt. Während meiner Elternzeit habe ich mich aufgerafft um mir ein vernünftiges Zweitdepot zu eröffnen. Seit 2009 liegt mein Depot bei flatex und bin eigentlich gut zufrieden gewesen. Die 0,1% Depotgebühr haben mich allerdings unglücklich gemacht. Also habe ich einen Depotwechsel durchgeführt und Teile meines Depots von flatex zu Smartbroker transferiert.

Warum eröffne ich ein Zweitdepot

Im Endeffekt ist ein zweites Depot wie ein zweites Bankkonto. Es kann dabei helfen bessere Struktur in die Geldanlage zu bringen. Zudem gibt es bei jedem Anbieter gewisse Vorteile und gewisse Nachteile, so dass man mit mehreren Depots etwas Optimierungspotenzial heben kann.

Ein solcher Schritt ist bei einem 5.000€ Depot mit zwei ETFs sicherlich nicht notwendig. Aber ich fand, dass es sich bei mir mit 11 Einzelaktien, 6 ETFs und einem Wert > 50.000€ lohnen könnte.

Zudem bietet ein zweites Depot mehr Flexibilität, sollte die Verfügbarkeit des Anbieters eingeschränkt sein.

Konditionenvergleich flatexDEGIRO – Smartbroker

Ich gehe hier nicht auf jeden Baustein ein, sondern zeige die für mich relevanten Punkte. Damit sollten die meisten von euch aber sicherlich ebenfalls einen guten Überblick bekommen.

BrokerflatexDEGIROSmartbroker
Depotführung– 0,1% auf den Depotwert
– kostenfrei für Fonds & ETFs
kostenfrei
Negativzins auf Kontoguthaben-0,5% p.a.-0,5% p.a. ab 15% des Depotwerts in Cash
Order Inlandsbörse5,90€0€ bei gettex >500€ Ordervol.
4,00€ sonst
Order Auslandsbörse5,90 + X je nach Land9,00€ + X je nach Land
Sparplan ETFs / FondskostenfreiFonds: kostenfrei
ETFs: 0,2%, min 0,80€
Dividenden / Ausschüttungenkostenfreikostenfrei
Wertpapierkredit / Effektenkredit4,90% p.a.2,25% + Leitzins (akt. 0%)
Überziehungskredit o.g. Wertpapierkredit7,90% p.a.4,25% + Leitzins (akt. 0%)
Sicherheit“iTan Card” – analogDAB Secure Plus – digital
HandyAppjanein
Aufstellung der Preise / Leistungen von flatexDEGIRO vs Smartbroker

Diese Aufstellung hätte bis vor ein paar Tagen (Anfang April) noch besser zugunsten von Smartbroker ausgesehen, aber flatexDEGIRO hat im Bereich Fonds & ETFs gemerkt, dass sie es mit ihrer Kostenstruktur übertrieben haben.

Der Verzicht von flatexDEGIRO auf die Depotgebühren für verwahrte ETFs und Fonds sowie die Reduzierung der Sparplankosten von 1,50€ auf 0€ sind ein kleiner Schritt zurück in Richtung Kundenfreundlichkeit. So ist dieser Bereich jetzt wieder sehr attraktiv für ETF-Anleger.

Depotkosten bei flatex 2020

Insgesamt habe ich an flatex in 2020 Gebühren und Zinsen i.H.v. 296,71€ gezahlt.

Zinsen:121,33€
Ordergebühren:145,10€
Depotgebühren:30,28€

Als ich diese Zahlen für den Beitrag recherchiert habe, habe ich mich selbst erschrocken, welches Optimierungspotenzial da schlummert. Durch den Wechsel zu Smartbroker und die Neuaufstellung bei flatex erwarte ich für 2021 in etwa eine Halbierung der Kosten. Damit habe ich dann knapp 150€ gespart und mehr Flexibilität gewonnen.

Zwei-Depot Strategie mit flatexDEGIRO und Smartbroker

ETFs

Im Rahmen der angepassten Konditionen habe ich mein Depot jetzt so aufgeteilt, dass meine ETFs weiter bei flatexDEGIRO lagern. Dort beträgt der Depotwert jetzt noch ca. 18.000€ und ich habe einen verfügbaren Wertpapierkredit i.H.v. 11.000€, den ich nutzen könnte, falls sich nochmal Chancen wie im März / April 2020 bieten.

Auf das Depot zahle ich nun keine Depotgebühren mehr (-30,28€ zu 2020) und den Wertpapierkredit habe ich ebenfalls nicht in Anspruch genommen. Sollte ich neue ETF Sparpläne starten, so beträgt die Gebühr nach aktuellem Konditionenblatt 0€ (-32,50€ zu 2020).

flatex bleibt also mein Anbieter für ETFs und eignet sich für diesen Bereich seit den neuesten Änderungen wieder hervorragend.

Einzelaktien

Meine Einzelaktien sind alle umgezogen von flatexDEGIRO zu Smartbroker. Außer Hamborner REIT, da es sich dabei um Namensaktien handelt dümpelt der Übertrag aktuell noch irgendwo vor sich hin.

Bei Smartbroker beträgt der Depotwert jetzt ca. 38.000€ und ich habe einen Wertpapierkredit von 15.000€ beantragt. Dieser wird mir zusätzlichen Spielraum einbringen. Falls ich ihn nutze, kostet er mich nur noch 2,25%p.a. anstatt 4,9%p.a. Falls ich also den gleichen Umfang wie 2020 abrufe, reduzieren sich die Zinskosten auf ca. 50€ (-70€ zu 2020).

Falls sich gettex als guter Handelsplatz für meine Aktienkäufe herausstellt, kann ich auch meine Ordergebühren von ca. 70€ in Richtung 0€ reduzieren. Das muss ich allerdings erst noch herausfinden. Im Zweifelsfall bietet Smartbroker ja auch alle anderen üblichen Handelsplätze für Wertpapierkäufe an.

Wertpapierkredit / Effektenkredit

Ein paar kurze Gedanken von mir zum Thema Wertpapierkredit. (Effektenkredit ist nur der Fachbegriff)

Ein entscheidender Faktor für meinen Wechsel bzw die Depotergänzung ist u.a. der Vorteil von Smartbroker mit einem günstigeren Wertpapierkredites gewesen. Ich habe nicht vor mein Portfolio umfangreich über Fremdkapital zu hebeln. Ich habe aber in der Vergangenheit immer wieder festgestellt wie gut es ist, wenn man kurzfristig Cash generieren kann.

Zum Beispiel als ich unseren VW T5 California für die Vermietung gekauft habe, oder als ich im März 2020 meine Aktienpositionen umgeschichtet habe um auf Einkaufstour zu gehen.

Meist habe ich den Wertpapierkredit genutzt, um eine Investition zu tätigen, bei der ich kurzfristig Liquidität brauchte, die ich dann im Nachhinein aus anderen Anlagen zurückgezahlt habe.

Ein Wertpapierkredit mit 2,25% Zinsen, wie er von Smartbroker angeboten wird, liegt aktuell auf dem Zinsniveau, dass ich auch für einen Konsumkredit zahlen müsste. Der Vorteil ist, dass ich keinen Aufwand damit hätte ihn zu beantragen und die Verwendung trotzdem frei ist. Zudem kann er jederzeit voll getilgt werden und es fallen keine Bereitstellungskosten an.

Die Höhe des Kredites kann man übrigens mit ca. 50% des Depotwertes ansetzen. So hoch werden hinterlegte Aktien als Sicherheit angerechnet.

Theoretisch könnte ich durch den Kredit als Sicherheitspuffer sogar meinen Notgroschen etwas herunterfahren. Noch bin ich dafür aber zu konservativ.

Kosten eines Depotwechsels

Zunächst mal die gute Nachricht vorab. Ein Depotwechsel, also der Übertrag von Wertpapieren von einem Broker zum Anderen, ist innerhalb Deutschlands grundsätzlich kostenlos. Anders kann es gelagert sein, wenn man Wertpapiere länderübergreifend übertragen möchte.

In meinem Fall war es auch ziemlich einfach den Teilumzug des Portfolios festzulegen. Hierzu gibt es den Dienstleister Depotwechselservice, den Smartbroker bei sich eingebunden hat. Mit diesem kann man automatisch Wertpapiere vom alten Depot auf das Neue übertragen.

Bei mir hat der Wechselservice die ersten beiden Versuche nicht funktioniert, weil ich mich darüber nicht bei flatex einloggen konnte. Als ich kurz davor war tatsächlich ein pdf Dokument händisch auszufüllen, hat es dann aber doch funktioniert und die Vorgehensweise beim Teilübertrag der Wertpapiere extrem erleichtert.

Fazit:

Mit meiner Zwei-Depot Strategie hoffe ich jetzt die Vorteile der jeweiligen Depots sinnvoll zu nutzen:

Vorteile flatex:Vorteile Smartbroker:
ETF-Sparpläne kostenfrei.
Für ETFs keine Depotgebühr.
0€ (gettex) bzw. 4€ (sonstige) Ordergebühr bei Einzelkäufen
Durchdachte Weboberfläche2,25% Zins auf den Wertpapierkredit
Gute App vorhandenKeine Depotgebühr

Der Aufwand ein zweites Depot zu eröffnen und Aktien “umzuziehen” ist verschwindend gering und produziert keine Kosten. Der Kostenvorteil bei Gebühren und Zins durch mein Zwei-Depot Modell mit flatex und Smartbroker liegt ja auf der Hand. Allerdings ist die optische eher lieblose Oberfläche bei Smartbroker sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man von flatex kommt.

Die fehlende Broker-App hat positive und negative Auswirkungen auf mich. Bei flatex habe ich deutlich häufiger zwischendurch in mein Depot geschaut. An manchen Tagen sicher deutlich zu häufig. Bei Smartbroker muss ich mich jetzt erst an den Rechner setzen und anmelden. Wenn man kein Interesse am Trading hat und eher plant die gekauften Titel zu halten, ist das vermutlich besser. So macht man sich nicht verrückt und kann das Thema auch mal los lassen.

*Edit: Nach dem hervorragenden Kommentar von Thomas habe ich mir testweise die DAB B2B Endkunden App heruntergeladen. Damit hat man tatsächlich einen guten Überblick über das Portfolio und die Einzeltitel auf Knopfdruck. Noch muss ich testen, ob ich das wirklich haben will oder ob es ohne App entspannter war. Danke auf jeden Fall an Thomas!

Wie findet ihr meine neue Aufstellung?
Nutzt ihr ein oder mehrere Depots?

Falls Ihr noch Tipps für mich habt, was ich berücksichtigen müsste oder besser machen kann, schreibt mir gern einen Kommentar.

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Disclaimer

Dieser Post \"Mein Depotwechsel - flatex zu Smartbroker\" spiegelt meine Meinungen und Erfahrungen zu den dargestellten Themen wieder. Er beinhaltet keine Anlage- oder Investmentempfehlung.

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2 Gedanken zu „Mein Depotwechsel – flatex zu Smartbroker“

  1. mit der “DAB B2B Endkunden” App kann man sein Depot, Orderstatus und Verrechnungskonto
    problemlos per Smartphone checken…. es jedoch kein Trading und kein Postmanagerabruf möglich
    Aber für den schnellen Überblick ausreichend
    Grüße Thomas

    1. Hallo Thomas,
      danke für den Tipp. Damit habe ich auf jeden Fall eine gute Übersicht über die Entwicklung des Depots und der einzelnen Titel. Gehandelt habe ich eh nie über die HandyApp.
      Jetzt muss ich mir nur überlegen, ob ich die App wirklich weiterhin nutzen möchte, oder ob es weniger stressig ist nur das Onlineportal zur Verfügung zu haben. 🙂

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