Wenn die Wohnmobilvermietung richtig schief geht

Bulli mit Unfallschaden

Im Sommer 2020 ist meine Wohnmobilvermietung deutlich gewachsen. Ich hatte meine Fahrzeugflotte auf ein zweites Fahrzeug erweitert.
Meine Investition: 9.500€ in einen 14 Jahre alten VW T5 Campingbulli.

Heute 1,5 Jahre später ziehe ich eine kleine grob gerechnete Bilanz.

Ich wollte testen, ob es sich lohnen kann sehr alte Fahrzeuge über einen kurzen Zeitraum zu vermieten. Die Idee war, dass man bei geringen Fahrzeugkosten eine niedrige Miete anbieten kann und damit eine gute Auslastung erhält.

Der Plan:

130 – 150 Nächte pro Jahr für 3 Jahre und danach wird das Fahrzeug für einen geringen Restwert verkauft. Die Einnahmen sollten dabei zwischen 7.000€ – 10.000€ pro Jahr sein. Die Kosten hatte ich geplant mit 1.500€ Versicherung und Steuern etc. + ca. 2.000€ Wartung und Reparaturen (ist ja ein altes Auto).

Falls ihr euch einen seriösen Plan zur Wohnmobilvermietung anschauen wollt, der nicht schief geht, lest nachher diesen Beitrag:

Das Jahr 2020:

Das Jahr 2020 lief super an. Ich konnte den Wagen ab Juli vermieten und habe trotzdem noch 85 Miettage zusammenbekommen. Die Einnahmen konnten sich sehen lassen. Knapp 5.100€ habe ich in der Zeit realisiert.

Einnahmen5.100€
Versicherung / Steuer800€
Reparaturen1.150€
Ausstattung / Sonstiges500€
„Rohertrag“ 20202.650€

Auf der Kostenseite standen Versicherung und Steuern mit „nur“ knapp 800€. Da diese natürlich auch nur anteilig angefallen sind. Die Reparaturen beliefen sich auf 1.150€. Darin enthalten: Inspektion / Ölwechsel, neue Bremsen, neue Reifen, neue Starterbatterie, ein Heckklappenschloss, zwei Armlehnen.

Viele dieser Reparaturen habe ich dann selbst durchgeführt bzw mir günstige gebrauchte Ersatzteile geholt.

Zusätzlich sind in 2020 noch Erstausstattung und Sonstiges in Höhe von knapp 500€ angefallen.

Insgesamt habe ich 2020 also grob 2.650€ an dem Wagen verdient. (Wertverlust bzw steuerliche Abschreibung noch nicht berücksichtigt)

sonnige Zeiten für Wohnmobilvermieter

Das Jahr 2021:

Durch Corona ist Camping absolut im Trend gewesen. Leider war das Geschäft aber bis Mitte Mai wie tot, weil es bundesweit zum Lockdown gekommen war. Meine ursprüngliche Hoffnung die ersten Vermietungen in den Osterferien realisieren zu können, hatten sich damit leider in Luft aufgelöst. Ab Juni ging es dafür dann aber ganz gut los.

Einnahmen9.100€
Versicherung / Steuern1.650€
Reparaturen5.550€
Ausstattung / Sonstiges100€
„Rohertrag“ 20211.800€

Bis zum 01. Oktober 2021 konnte ich trotz spätem Start 113 Mietnächte realisieren. Die Einnahmen daraus waren 9.100€. Also konnte das Vorjahr beim Durchschnittspreis deutlich übertroffen werden. Die Kosten für Versicherung und Steuern sind gut im Zielkorridor gewesen mit ca 1.650€. Die Reparaturen haben allerdings überhaupt nicht ins Budget gepasst. Insgesamt 5.550€ habe ich für Reparaturen an diesem einen Fahrzeug in 2021 ausgeben müssen. Darin enthalten: Motorinstandsetzung, Instandsetzung Ölkreislauf, Bordbatterie, TÜV/ AU. Bei Ausstattung und Sonstigem habe ich nur 100€ investieren müssen.

Zu allem Überfluss hat einer meiner Mieter auch noch einen Unfallschaden mit der Leitplanke einer Autobahnbaustelle produziert. So hat er zusätzlich dafür gesorgt, dass ich in 2021 das Gefühl hatte, dass das Auto mehr Tage in der Werkstatt steht als auf unserem Hof. Die Schadenhöhe waren 2.768€. Glücklicherweise war der Schaden durch den Selbstbehalt und die Versicherung gedeckt.

Was man hierbei nicht unterschätzen darf ist der Stress, den es auslöst, wenn ein Auto unbedingt repariert werden muss, damit die nächsten Mieter damit Ihren Italienurlaub beginnen können und die 1.400€ Miete rein kommen.

Zusammenfassung:

Die Roherträge in den Tabellen sehen noch ganz akzeptabel aus. Aktuell verkaufe ich das Auto aber und kann froh sein, wenn ich noch 8.000€ bekomme. Also müssen noch 1.500€ abgezogen werden. Das heißt am Ende habe ich 1,5 Jahre gearbeitet, mehr als 100 Stunden investiert und werde weniger als 3.000€ daran verdient haben, die dann auch noch versteuert werden müssen. So bleiben mir am Ende wenn es gut läuft 2.000€. Zudem musste ich mit 10.000€ ins Risiko gehen.

2.000€ klingt erstmal nach viel Geld aber:

Das Experiment hat sich nicht gelohnt. Ein ETF über 10.000€ wäre im gleichen Zeitraum bei einer ähnlichen Rendite gelandet und wäre ohne 100 Stunden Arbeit ausgekommen, dafür wäre das Risiko beim ETF wohl als etwas höher einzustufen gewesen. Zusätzlich ist die Belastung so eine Vermietung neben einem normalen Job zu betreuen sehr hoch und das Stresslevel, wenn es zu Ausfallzeiten kommt ist enorm.

Sollte ich meine Flotte nochmal um ein oder zwei Fahrzeuge ausbauen, werde ich darauf achten, dass diese geringere Laufleistungen haben und deutlich zuverlässiger sind.

Um erfolgreich zu werden muss man bekanntermaßen manchmal auch scheitern und ich denke das dieser gescheiterte Versuch dazu führt, dass ich für andere Bereiche dazu lerne.

Meine kleine Campervermietung werde ich trotzdem weiterführen. Die Bilanz meines VW T5 California für 2021 wird nach jetzigem Stand nämlich ganz positiv aussehen. Die kommt aber erst nach Saisonabschluss im November.

Kleiner Tipp, falls ihr günstige / individuelle Camper sucht. Mietet euch einen hier:

Da hab ich meine Bullis auch inseriert und es ist eine tolle Plattform um Campingerfahrung zu sammeln, ohne das riesige Kostenrisiko eines eigenen Campers einzugehen.

Lasst mir gern eure Meinung und euer Feedback in den Kommentaren. Ich freue mich immer, wenn ich mitbekomme, ob euch ein Beitrag gefällt und was euch ggf noch an Informationen fehlt.

Disclaimer

Dieser Post \"Wenn die Wohnmobilvermietung richtig schief geht\" spiegelt meine Meinungen und Erfahrungen zu den dargestellten Themen wieder. Er beinhaltet keine Anlage- oder Investmentempfehlung.

Ausgehende Links sind teilweise Affiliatelinks, für deren Nutzung eine Vermittlungsprovision an mich fließen könnte. Hierdurch wird der Blog gesponsert.

3 Gedanken zu „Wenn die Wohnmobilvermietung richtig schief geht“

  1. Danke für den spannenden Einblick in ein Metier, mit dem ich mich noch nie beschäftigt hatte. Der Business Case klang am Anfang ja in der Tat verlockend, der wohl aufgetretene Komplettschaden am Motor passte da natürlich nicht rein. Jetzt könnte man argumentieren, dass das die Realisierung eines Klumpenrisikos war, weil du ja nur genau dieses eine alte Fahrzeug am Start hattest.
    Betreffend deiner subjektiven Risikoeinschätzung wage ich dir aber zu widersprechen: der ETF ist zwar auf dem Papier volatiler, hat aber den Vorteil, sich im Fall eines Unfalls sozusagen selbst auf längere Frist wieder zu reparieren. Das Kunststück wäre dir mit dem Camper nicht gelungen.
    Ich würde es an deiner Stelle als preiswertes Lehrgeld betrachten – du hast zwar für einen relativ niedrigen Stundenlohn deine Freizeit verbracht, konntest am Ende aber mit jede Menge Erkenntnisgewinn aus der Nummer raus. Menschen vergeuden ihre Zeit für ganz andere Dinge, für die sie nicht einmal etwas bekommen, sondern deutlich mehr als 20 EUR die Stunde bezahlen.

    1. Danke für den Kommentar KauntNull, der fasst die Situation hervorragend zusammen. Das mit dem Lehrgeld sehe ich für mich tatsächlich auch so. Im Endeffekt habe ich jetzt mit einem kleinen Hobby Geld nebenher verdient und das ist ok. Beim ETF-Vergleich hast du Recht, da hätte ich etwaige Schwankungen besser aussitzen können. Der ETF ist aber leider einfach etwas langweiliger, als selbst ein kleines Business aufzubauen und eine Geschäftsidee auszuprobieren 😉

      1. Das Ausprobieren war es zweifelsohne wert. Aber wie das mit Hobbies meistens ist, bringen die eher selten nennenswert Geld. Ich sammele ja ebenfalls bestimmte Sets eines dir wohlbekannten Herstellers von Klemmbausteinen, und bei meiner Schnäppchenjagd fallen massenweise Beifang-Sets an, die ich entweder schon besitze oder die ich aus verschiedensten Gründen nicht behalten will. Den Zeitaufwand fürs Auseinandernehmen (bzw. Teile zusammensuchen bei komplett zerlegten Konvoluten), Säubern/Entstauben, Zusammensetzen und Fotografieren darf man beim besten Willen nicht gegen den Nettoerlös rechnen. Da kommt man an deine 20 EUR/h mit diesem Camper nicht ran.

        Vielleicht ist auch genau das der ausschlaggebende Punkt: betrachtet man etwas als Hobby oder als die Chance damit gross rauszukommen? Entsprechend steckt man wohl automatisch mehr oder weniger Energie rein.

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