Ausleihen, Helfen und der Frugalismus

Bauarbeiten durch Spielzeugautos ähnlich dem Geschäftsmodell der Hochtief AG

Eigentlich könnt ihr auf diesem Blog häufig etwas zu meinen Investitionen, Nebengewerben oder Sparideen lesen. Es handelt sich um eine Art Finanztagebuch. Über Frugalismus äußere ich mich relativ selten, da mir unser Lebensstil im Einfamilienhaus mit 140qm und zwei Autos vor der Tür nun wirklich nicht frugal vorkommt. Trotzdem begeistert mich das Konzept und in vielen Bereichen ist die Sparhörnchenfamilie recht sparsam im Vergleich zum persönlichen Umfeld.

Kernfrage des Frugalismus:

Aus meiner Sicht ist eine der wichtigen Konsumfragen, die sich ein Frugalist stellen sollte: „Brauche ich das wirklich?“ Das gilt für den Einkauf von Lebensmitteln, die am Ende doch schlecht werden, genau so wie für ein neues Handy obwohl das alte noch funktioniert. Würden sich mehr Menschen diese Frage stellen, so würden auf der Welt deutlich weniger Ressourcen benötigt.

„Jein“

Oft ist die Antwort auf die Frage „Brauche ich das wirklich?“ leider nicht ganz eindeutig „Ja“ oder „Nein“. Vor allem in Beziehungen landen wir bei Konsumfragen sehr häufig beim „Jein“
Kleines Beispiel dazu: Die Anschaffung von unserem E-Lastenfahrrad über das ich letzten Monat geschrieben habe.

Meine Ursprungshaltung zum Lastenrad war: „Sowas braucht kein Mensch“ und „Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“.

Die Haltung von Frau Sparhörnchen war: „Das wäre super um unsere Einkäufe zu erledigen und die Kinder zu transportieren. Wir könnten langfristig auf ein Auto verzichten“ und „Vielleicht bekommen wir mit dem Lastenrad ein bisschen mehr Bewegung zu unseren Bürojobs“

Der Kompromiss war: Bevor wir uns ohne Erfahrung ein E-Lastenrad für X-Tausend Euro kaufen, leihen wir uns das von meiner Schwester für längere Touren aus und fahren alle Lastenräder in unserem Freundeskreis, damit wir wissen was für uns den größten Mehrwert hat. Ausleihen hat uns hier also bei der Entscheidungsfindung geholfen und aus dem Jein ein Ja gemacht.

Ohne Ausleihe hätten wir dieses schöne Gerät nicht.

Frugalismus und Ausleihen

Beim Lastenrad hat uns das Ausleihen geholfen eine qualifizierte Konsumentscheidung zu treffen und keine Fehlinvestition von mehreren tausend Euro zu tätigen. Ausleihen sollte für frugal denkende Menschen aber grundsätzlich immer eine zentrale Überlegung sein.

Für mich gehört es zum Alltag. Innerhalb der Familie, unter Freunden und in der Nachbarschaft. Wenn ich etwas nicht häufig benötige, frage ich mich wer könnte sowas haben. Es gehört oftmals etwas Mut dazu zu fragen, ob man sich etwas leihen kann und danach natürlich Sorgfalt im Umgang. Aber in den meisten Fällen lohnt es sich. Genauso biete ich natürlich etwas an, wenn ich unterstützen kann.

Um mal zu verdeutlichen, welche unnötigen Konsumentscheidungen wir durch das Ausleihen von Dingen vermeiden konnten eine kleine Liste von Leihgaben, an die ich mich aus den letzten Jahren erinnern kann.

Leihgaben (an andere)

  • Auto von Frau Sparhörnchen
  • Handkreissäge
  • Rasenkantenschneider
  • Kinderstühle
  • Geschirr
  • Kaffeemaschine und Pumpkanne
  • Waffeleisen
  • Beamer + Leinwand
  • Babytrage
  • Hörbücher
  • LEGO Sets
  • Tipptrapp Babyaufsatz

Ausleihungen (an uns)

  • Anhänger fürs Auto
  • Lastenfahrrad
  • Stützen für Trockenbau
  • Winteroveralls für Kinder
  • Kettensäge
  • Kindergeschirr für Partys
  • Gartenpavillion
  • Stühle
  • Laminatschneider
  • Vertikutierer
  • Croozer
  • E-Bikes

Das ist einfach eine exemplarische Liste. Es gab sicherlich noch viele viele Dinge mehr. Es ging mir darum, dass man sieht in wie vielen Lebensbereichen wir schon durch Leihgaben profitieren konnten und in wie vielen Bereichen wir in unserem Umfeld schon aushelfen konnten.

Ich denke mein Nachbar war froh, dass er sich keine 200€ Kreissäge für den Bau seiner Terrasse anschaffen musste. Die braucht er nach den zwei Monaten Arbeit nie wieder. Mein Schwager hat sich sicher gefreut, dass er das Auto von Frau Sparhörnchen nutzen konnte, um zum Dienst zu fahren und kein Fahrzeug mieten musste. Genauso waren wir froh, dass Freunde uns ihre Winteroveralls für die Kinder als Leihgabe angeboten haben oder wir keine Kettensäge kaufen oder mieten mussten um die Bäume in unserem Garten zu fällen.

Wenn man erstmal beginnt anderen anzubieten Dinge zu auszuleihen, dann bekommt man dies auch häufiger angeboten und es entwickelt sich daraus ein wirklich starkes Netzwerk. Das hilft Frugalisten natürlich dabei Kosten zu senken aber es hilft vor allem dabei die Ressourcenverschwendung zu begrenzen. Die meisten Dinge werden ja nicht besser davon, dass sie nur im Schrank liegen.

Frugalismus und Helfen

Wer dieses starke Netzwerk an Menschen hat, mit denen man Leihgaben austauschen kann, der hat auch die Möglichkeit um Hilfe zu bitten. Meiner Erfahrung nach ist die Bitte um Hilfe und das ernst gemeinte Angebot von Hilfe ein sehr starker Pfeiler in jeder Freundschaft und Nachbarschaft. Hier sollten wir uns einfach oft selbst trauen den ersten Schritt zu gehen und Hilfe anbieten, ohne Gegenleistung zu erwarten.

Auch hier ein paar Punkte um zu verdeutlichen, was ein Netzwerk in dem wir uns helfen bewirken kann:

Hilfe geleistet:

  • Unterstützung beim Bau der Häuser von Freunden
  • Kinder bringen / abholen
  • Möbel transportieren und aufbauen
  • Umzugshelfer
  • Bestellungen im Internet abwickeln
  • Einkäufe für Nachbarn erledigen
  • Feiern mit vorbereiten

Hilfe bekommen:

  • Hilfe bei der Renovierung unseres Hauses
  • Kinderbetreuung
  • Umzug
  • Bäume fällen
  • Steuererklärung
  • Partyvorbereitungen
  • Kinderspielhaus schleppen

In dieser Liste könnte man noch 1.000 Kleinigkeiten auflisten. Wir können in unserem Umfeld gefühlt jeden um Hilfe bitten und würden sie sofort bekommen. Bei der Planung unserer Photovoltaikanlage bin ich nicht davon ausgegangen alleine auf dem Dach zu stehen. Schon während der Anfrage des Materials habe ich bei ein paar Freunden angefragt, ob ich sie für ein bis zwei Wochenenden einspannen kann. Einige werden noch spontan folgen, wenn der Montagetag feststeht.

Die Hilfe meiner Freunde wird es mir ermöglichen knapp 3.000€ Kosten zu sparen. Bei einigen werde ich das mit meiner Hilfe kaum ausgleichen können. Bei anderen habe ich schon so viele Stunden irgendwo mitgearbeitet, dass es andersrum kaum so sein wird. Aber das ist nicht wichtig. Am Ende wird es sich über das gesamte Netzwerk wieder ausgleichen.

Das gegenseitige Helfen bietet auch den Mehrwert Dinge mit Menschen gemeinsam zu gestalten. Es schafft gemeinsame Erinnerungen und die Gelegenheit sich auszutauschen. Helfen egal ob durch Leihgabe von Sachen oder eigene Arbeit gibt mir und wohl auch den meisten Menschen zusätzlich das gute Gefühl nützlich zu sein und gebraucht zu werden.

Wie sind eure Erfahrungen damit Dinge auszuleihen?
Habt ihr ebenfalls Netzwerke auf deren Hilfe ihr in jeder Lage zählen könnt?

Danke an Jenni von Dagoberts Nichte, die mich mit ihrem Artikel: „Kann übertriebenes Sparen unsozial sein? // Dunkle Seite von übersteigertem Frugalismus“ mal wieder dazu gebracht hat über Frugalismus und Konsum nachzudenken.

Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema habt nutzt gern die Kommentarfunktion, oder schreibt mir über das Formular eine Email.

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    Dieser Post "Ausleihen, Helfen und der Frugalismus" spiegelt meine Meinungen und Erfahrungen zu den dargestellten Themen wieder. Er beinhaltet keine Anlage- oder Investmentempfehlung.

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