Mein seltsamer Kaufinteressent aus dem Ausland

Im Monatsbericht Oktober habe ich kurz darüber geschrieben, dass ich zum Ende des Monats einen meiner T5 Bullis verkauft habe. Ich bin bisher ein unerfahrener Verkäufer von Autos. Privat fahre ich seit 12 Jahren einen Dienstwagen und habe so bisher nur meinen 32 Jahre alten T3 Bulli verkauft. Beim Verkauf meines jetzigen Bullis habe ich gelernt: Kaufinteressent fürs Auto aus dem Ausland, der scheinbar bereit ist ohne Besichtigung zu unterschreiben? Achtung!

Technische Daten meines Fahrzeugs

  • VW T5 von 2006
  • > 400.000km auf dem Tacho
  • kleiner „Unfallschaden“
  • Campingausstattung
  • Klima defekt
  • Preis ca. 8.000€

Alles in Allem seht ihr, dass ist kein einfaches Unterfangen geworden. Fahrzeuge mit einem so hohen km-Stand sind nicht sehr nachgefragt. Hauptverkaufsargument ist der Camperausbau und die WoMo-Zulassung.

Wahl der Plattform

Für den Verkauf habe ich mich für Ebay-Kleinanzeigen und mobile.de entschieden. Das sind wohl die größten beiden Plattformen und man kann sein Inserat dort in der Basisversion kostenfrei einstellen.

Auf Ebay-Kleinanzeigen habe ich insgesamt 24 Anfragen bekommen. Auf mobile.de 19 Anfragen. Natürlich waren wie immer auf solchen Portalen einige Trolle dabei.

Was begegnet einem beim Autoverkauf?

Die Trolle haben direkt und ohne den Wagen gesehen zu haben, 60% vom Kaufpreis geboten und wollten oft angeblich sofort vorbei kommen. Entweder funktioniert das ab und zu tatsächlich oder aber jemand hat wahnsinnig viel Langeweile.

Beispielhafte Ebay Kommunikation

In diesen Fällen habe ich mir den Spaß gemacht und so wie hier entweder ohne Campingausstattung oder ohne Fahrer- und Beifahrersitz angeboten.

Ich wollte einen Käufer, der sich den Wagen anschaut und dann ein vernünftiges Angebot abgibt und nicht jemanden, der den Preis vorher drückt und dann vor Ort nochmal anfängt den Preis nachzuverhandeln.

Ein so erfahrenes Auto kann man ruhig erstmal probefahren

Der seltsame Interessent auf mobile.de

Auch zwei seltsame Anfragen aus dem Ausland habe ich gehabt, beide waren bei mobile.de. Ziel war es zunächst mich dazu zu bringen, die Kommunikation auf Whatsapp umzustellen.

Nachricht auf mobile.de: „Hallo, ich heiße A… und interessiere mich für den Volkswagen T5, den Sie für 8.000 € (brutto) eingestellt haben. Steht das Fahrzeug noch zur Verfügung? Kann ich mir das Fahrzeug reservieren lassen? Vielen Dank!“

mobile.de schreibt zum Glück einen Hinweis: „Um die Verständigung zu vereinfachen, wurden einzelne Teile dieser Nachricht automatisch übersetzt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Interessent Ihre Sprache spricht.“

Die nächste Nachricht war Folgende: „Danke für die Antwort, meine Nummer +34 XXXXXXX Ihr könnt mir per WhatsApp schreiben und angeben Alles Gute“

Bei solchen Anfragen werde ich sehr skeptisch. Hier wird ganz klar versucht Gier-frisst-Hirn-Fehlentscheidungen herbeizuführen. Es ist eine Anfrage seltsame Anfrage aus Spanien von jemandem, der sich das Fahrzeug bei mobile.de direkt reservieren lassen will. Natürlich bin ich erstmal nicht darauf eingegangen, die Kommunikation auf Whatsapp zu verlegen, sondern habe über den mobile.de Messenger geantwortet.

In der nächsten Nachricht wird der Versuch meinen Verstand durch Gier-frisst-Hirn außer Gefecht zu setzen noch deutlicher.

„Guten Tag Das Auto interessiert mich, ja, es ist in einem guten Zustand, so wie Sie es beschreiben, wir können uns einigen, ich übertrage das, was wir vereinbart haben, und ich hole es ab, ich schicke Ihnen meine Daten und wir machen den Vertrag, Wie Sie verstehen, sind wir etwas weit weg, und ich möchte weder Zeit noch Geld mit Reisen verschwenden. Vielen Dank für Ihre Zeit.“

Der potenzielle Käufer bietet also an, das Fahrzeug nur auf Datenlage zu kaufen und aus der Ferne zu bezahlen. Bei einem Fahrzeug mit dem km-Stand, wäre ich natürlich froh gewesen so einen Käufer zu finden. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich schlau gelesen. Was hier die Masche sein könnte.

Betrugsmasche

Nach einiger Recherche u.a. bei mobile.de und in verschiedenen Foren, gibt es hier wohl zwei Szenarien die aktuell gängig sind.

Szenario 1: Schadenersatz
Per Email oder Whatsapp hätte ich eine gefälschte Beschreibung zu meinem Fahrzeug mit der Bitte um Bestätigung bekommen, dass ich dieses Fahrzeug verkaufe. Hätte ich die Abweichung (z.B. einen Kilometerstand von 40.000 statt 400.000km) nicht bemerkt und dem Verkauf zugestimmt, wäre der Käufer in der Lage, später von mir das Fahrzeug mit abweichenden Spezifikationen einzuklagen. Das könnte einen erheblichen Schadenersatz meinerseits zur Folge haben.

Szenario 2: Identitätsdiebstahl
Es werden im Rahmen der vorgetäuschten Transaktion diverse persönliche Daten abgefragt. Beispielsweise bittet man um eine Ausweiskopie und die Bankdaten, um dem Verkäufer die Zahlung an den Spediteur überweisen zu können, der das Fahrzeug dann abholen soll. Diese Daten werden dann entweder verkauft oder für weitere Betrugsversuchte genutzt (wie den paypal Betrug aus meinem anderen Beitrag)

Als ich mich hierzu schlau gelesen hatte, war ich froh, dass ich die Gespräche mit den beiden seltsamen Interessenten schnell abgebrochen habe.

Fazit:

Aufgrund der Telefonnummern (+34 XXXXX) und der ziemlich schlechten Übersetzungen war es für mich in diesem Fall sehr offensichtlich, dass es sich um Fake-Anfragen handelt. Warum sollte ein Spanier Interesse daran haben meinen 15 Jahre alten VW Bus zu kaufen. Schließlich wären die Transaktionskosten, um die Kiste zu ihm zu bringen schon mindestens 10% vom Kaufpreis zusätzlich.

Trotzdem merke ich an solchen Anfragen immer wieder, wie vorsichtig ich bei Gier-frisst-Hirn-Entscheidungen sein muss. Schließlich hätte ich mich natürlich gefreut, wenn ich mein Auto zum vollen Preis an jemanden hätte verkaufen können, der nicht mal eine Probefahrt machen möchte.

In diesem Sinne hoffe ich, dass auch ihr skeptisch bleibt, wenn euch jemand etwas anbietet, was im ersten Moment optimal mit euren Zielen übereinstimmt. Oft kommt man sehr schnell darauf, was das eigentliche Ziel ist.

Disclaimer

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3 Gedanken zu „Mein seltsamer Kaufinteressent aus dem Ausland“

  1. Spannend, was man heute nicht alles erlebt. Bei mir ist es ähnlich wie bei dir, dass ich kaum Erfahrungen im Absatz gebrauchter Fahrzeuge habe (ebenfalls Geschäftswagen).

    Das eigentlich Erschreckende an dieser von dir sehr schön beschriebenen Sorte Anfragen ist ja, dass die Masche offensichtlich bei vielen anderen funktioniert und die Leute reihenweise drauf reinfallen, denn sonst würden sich weder diese Betrugsschemata ergeben noch wäre es so einfach gewesen ihnen über eine kurze Recherche auf die Schliche zu kommen.
    Das lässt über das Mindset unserer Mitbürger tief blicken.

    1. Hey Jenni,

      ja ich hatte Glück und habe einen vernünftigen Käufer gefunden. Der hat das Auto zusammen mit seinem Mechaniker angeschaut und probegefahren. Dann habe ich ihm einen ordentlichen Rabatt dafür gegeben, dass er ein anständiger Mensch zu sein schien und mittlerweile hat er das Auto schon vereinbarungsgemäß umgemeldet.

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